Deutschunterricht für Asylbewerber

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Nun erteile ich schon über drei Monate Deutschunterricht. Und wir alle, die wir in der Klasse unterrichten machen unsere Erfahrungen.
‚Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen‘ ist vielleicht ein Ausdruck, der die Lage relativ treffend (zumindest in meinen Augen) charakterisiert. Auch der einstige Buchtitel von Günter Grass ‚Aus dem Tagebuch einer Schnecke‘ kommt mir immer wieder in den Sinn.

Welches sind die Gründe für die nur langsamen Fortschritte?

es kommen immer wieder neue Schüler mit keinen oder geringen Kenntnissen der deutschen Sprache hinzu

  • die Schüler sind das stetige konzentrierte Arbeiten nicht so gewohnt wie unsere Schüler (auch wenn wir oft über den Niedergang unseres Schulniveaus klagen)
  •  unsere deutschen Schüler werden durch stetige  Leistungskontrollen  auch unfreiwillig zum Lernen und vor allem Wiederholen des Lernstoffes animiert. Dies fehlt hier völlig.
  • manche Schüler kennen nur wenig oder gar keine Lernkultur.
  • mangelnder Lernfortschritt  zieht keine Konsequenzen nach sich.
  • Vertiefung daheim findet so gut wie nicht statt, kann nicht oder wird nicht eingefordert.
  • manche Schüler bleiben oft dem Unterricht fern

Heute haben wir unsere Schüler/innen erstmals in den PC Raum begleitet und sie in die Bedienung des PCs eingeführt.
Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang das von mir schon mehrfach gelobte Programm quizlet.com aus California. Hier können auch einfache Inhalte in eine schon vorhandene Programmstruktur (Autorenprogramm) eingegeben werden und dann auf mehrfache Weise auch spielerisch von den Schülern geübt werden. Auch die Aussprache ist mit dabei und zwar in bestem Deutsch.

Ich bin gespannt, ob auch das angenommen wird:
Die Schüler haben die Internetadresse des Programms erhalten und können nun auch auf dem Smartphone mit WLAN Verbindung zuhause üben. Und für alle ist das Smartphone sowieso das wichtigste Medium.
Neugierig geworden?
Die Adresse eines der Programme ist:
https://quizlet.com/116586875

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5 Gedanken zu „Deutschunterricht für Asylbewerber“

  1. Schön, dass du uns an den Fortschritten (wenn auch mühsam erarbeiteten) in der Schule teilhaben lässt. Ich finde es sehr interessant, auch darüber etwas (vor allem aus erster Quelle 🙂 ) erfahren zu können.

    Danke und LG

  2. Eine TATSACHE, die man nicht ignorieren oder gar schönreden darf.
    Meine HOCHACHTUNG vor den weiblichen / männlichen MITMENSCHEN, die
    heute WISSEN vermitteln …
    In diesem Sinne ein erholsames Wochenende … PachT

  3. Ein toller Beitrag. Ich finde, es sollten viel mehr Menschen Asylbewerber unterrichten und ihnen so die Chance auf Integration geben. Denn Bildung ist meiner Meinung nach ein Grundrecht und der einzige Weg in eine Gesellschaft.

  4. Ich dachte immer, dass es „Asylbewerber“ heißt, zumindest von offizieller Stelle.
    Abgeschrieben bei Google:
    Sprache im Migrationsdiskurs – Wer sagt noch Asylant …
    http://www.sueddeutsche.de/…/sprache-im-migrationsdiskurs-warum-asylant-ei...
    11.12.2014 – Asylant sagt zwar kaum noch einer, doch andere Unwörter haben Konjunktur. … dazu, die Menschen zu benennen, die man nicht dahaben will. … Der Asylant, das ist nun einer, der aus zweifelhaften Gründen Asyl sucht, der …
    Du musst den Kommentar nicht freischalten, wenn du nicht willst

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