Zum Lutherjahr: Wirkte Luther bis in das südliche Afrika?

Man könnte meinen, man befände sich in irgendeiner kleinen Kirche in der deutschen Provinz.

Dem ist aber nicht so. Wir sind weit weg im südlichen Afrika, in Namibia. Ganz präzise: in der Christuskirche in Lüderitz oder wie die deutschsprachigen Namibier sagen würden: Lüderitzbucht.

Was hat nun ein Bild Luthers dort zu suchen, wo er selbst doch nie weite Reisen unternommen hat?

Namibia war vor über hundert Jahren einmal eine deutsche Kolonie und die Zeugnisse der Vergangenheit sind überall präsent. Man könnte sogar sagen, sie prägen immer noch die Bilder der Städte und Ortschaften. Sie werden heute als kulturelles Erbe gepflegt.

So ist auch das weithin sichtbar das Wahrzeichen von Lüderitz die Christuskirche. Die meisten historischen Kirche im Lande sind protestantisch und wurden von den deutschen Kolonialherren erbaut.

Der Titelbericht des SPIEGEL geht zu Beginn des Lutherjahres auf den Reformator ein und versucht ein Bild  einer Person zu zeichnen, die wie kaum eine andere Deutschland geprägt wenn nicht sogar zu großen Teilen Deutschland ein geistiges Grundgerüst und damit eine Identität geliefert hat:

Als Gegenmacht zu Rom, die Deutsche Nation, Christus und nicht die Kirche als Befreier von den Sünden, der Glaube an die Kraft des Individuums, weg von der Bevormundung durch die Allmacht der Kirche. Aber auch die Notwendigkeit  der harten Arbeit, (‚Zähne zusammenbeißen‘), Pflichtbewusstsein und Nächstenliebe.

Er wird aber auch als Mensch zwischen der alten und neuen Welt gezeichnet. Er vertraut weiterhin der weltlichen Obrigkeit und überlässt das politische Denken den alten  obrigkeitsstaatlichen Strukturen.

Bevölkerungsgruppen und Völker  werden von Luther oft nach altem Denken pauschal verurteilt: aufständische Bauern sollte man ‚zerschmeißen‘, die Juden ‚totschlagen‘, die Türken ‚zum Teufel jagen‘.

Wenn man nun die deutsche Kolonialgeschichte betrachtet, so findet man auch hier einige Züge dieses  ’nationalen Grundgerüstes‘ mit den zwei Seiten wieder.

Auf der einen Seite die stolzen Bauwerke, die immer noch die meisten Orte schmücken, eine Bahnlinie nach Lüderitz,  welche innerhalb eines halben Jahres durch die Wüste gezogen wurde und demnächst erneut wieder in Betrieb genommen wird, oder die für damalige Verhältnisse fortschrittlichste Technik in der heutigen ‚Geisterstadt‘ Kollmanns kuppe bei Lüderitz.

Missionars Stationen  ,welche nicht nur missionierten, sondern auch große landwirtschaftliche Fortschritte brachten und Spitzenerträge erwirtschafteten und ‚Einheimischen‘  zu Brot und Arbeit verhalfen (Berichte davon und Fotos liegen in den Gästezimmern aus).Viele dieser riesigen Anlagen  funktionieren heute noch als landwirtschaftliche Großbetriebe und Vorzeige Gästefarmen bestens. Die Bewunderung für jene Leistungen war auf unserer Reise bei vielen Namibiern immer noch zu spüren. Viele einheimische Mitarbeiter dunklerer Hautfarbe tragen heute noch Namensschilder wie Joseph, Franz oder Friedrich.

Auf der anderen Seite aber steht die brutale Gewalt und Ausrottung ganzer Stämme, die heute in der Presse immer öfter thematisiert wird (im übrigen uns gegenüber auch von den am meisten betroffenen Hereros niemals angesprochen wurde). Hier kamen die alten immer noch bestens bestehenden obrigkeitsstaatlichen Strukturen voll zum Tragen und erinnern an den Hass Luthers gegenüber ganzen ethnischen Gruppen.

 

 

 

 

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