7. Tag: Mit dem Rad auf der Strecke nach Amsterdam – zu Besuch beim Kaiser

Heute ist ein halber Ruhetag. Nach ausgiebigem Frühstück im herrlichen Ferienhaus brauchen wir heute mal nicht wieder alles zusammenpacken und schön gar nicht in die Fahrradtaschen.

Heut sind gerade mal 40 km zu fahren, 20 hin, 20 zurück. Ja, wir übernachten nochmals hier und fahren dann morgen weiter in Richtung Amsterdam.

Fahrziel heute : Besuch beim Kaiser. Genauer gesagt, beim letzten deutschen Kaiser Wilhelm II.

Sein letztes Domizil war Huis Doorn 20 km südwestlich von hier. Hier lebte er seine letzten etwa 20 Jahre bevor er 1941 dort starb. Wir waren neugierig zu erfahren, wie ein abgedankter Kaiser dort wohl sein Leben im Exil verbracht hatte. Klein und bescheiden mit kaum mehr als 50 Zimmern im Gegensatz zu gewohnten über 2000 im Berliner Schloß.

Ach war die Fahrt dorthin angenehm. Flach auf inzwischen gewohnten vorzüglichen Fahrradwegen, immer wieder Flußläufe, kleine Grachten, versteckte Wege, durch bunte Dörfer. Statt vielen Autos herrschen hier Rad und Boot vor. Viele Eigenheimbesitzer haben einen Kanalanschluss und das kleine Motorboot ankert direkt vor dem Hausgarten.

Schnell erreichen wir Doorn. Huis Doorn ist schon ausgeschildert und ist die große Touristenattraktion. Auf dem überschaubaren kleinen Parkplatz stehen aber nur vereinzelt Fahrzeuge. Die wenigen Touris, und auch wir, stellen ihre Räder in eine vorgesehene Ecke des riesigen Parks. Auffallend: kaum eines der Räder ist abgeschlossen. Auch nicht die besseren.

Riesiger Park mit mittigem Blick auf Haus Doorn.

Der Park scheint unendlich groß zu sein. Zuerst geht’s durch eine Toreinfahrt mit Nebengebäuden, erbaut vom Kaiser. Nach 10 Minuten Fußmarsch erreicht man das Wohngebäude, vollständig umgeben von einem Wassergraben, im Wasser Seerosen. In Relation zum riesigen Park wirkt es wirklich relativ klein. Deshalb hätte es der Kaiser auch beinahe nicht gekauft. Weitere Gebäude sind im Park verstreut: die Orangerie, das Mausoleum und die Garagengebäude des Kaisers in der seine 2 Mercedes Limousinen untergebracht waren.

‚ Ich glaube an das Pferd. Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung‘ (Wilhelm II)

Entspannt kann man die meisten der noch im Orginalzustand eingerichteten Zimmer betrachten. Es gibt zwar keine Führungen aber in fast jedem Zimmer sind Betreuer, oft auch deutschsprechend oder zumindest können Sie gut Englisch. Bei Bedarf wendet man sich an sie und bekommt erstaunlich kenntnisreiche Information. Etwas seltsam mutet an, dass es schriftliche Erklärung nur auf niederländisch gibt. Vor allem deshalb, weil es hier eigentlich vorrangig um deutsche Geschichte geht und die meisten Besucher aus dem fremdsprachigen Ausland kommen. Aber man kann sich frei bewegen, oft befindet man sich fast allein im Raum.

Alle Zimmer sind üppig ausgestattet. Im Internet kann man Bilder dazu finden. Wilhelm suchte sich das Interieur aus seinen zahlreichen deutschen Schlössern zusammen und ließ es dann mit mehr als 50 Güterwaggons nach Doorn schaffen. Nach dem Krieg wurden übrigens Haus und Park als Feindesgut enteignet. Aber alles ist in einem Top Zustand. Der Erhalt angeblich sehr teuer.

Gespenstisch mutet ein Blick durch die verstaubten Fenster des Mausoleums. Hier liegt der Sarkophag des Kaisers bedeckt von einer Reichsadlerflagge. Ansonsten sieht der Raum eher verlassen und kärglich aus.

Man könnte noch stundenlang erzählen. Vom üppigen Rosengarten der Kaiserin oder vom Holzhackplatz des Kaisers.

Das war wirklich eine lebendige Geschichtsstunde! Und alles war noch gar nicht so lange her.

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