Schule – ein Spielball der Politik?

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Vor kurzer Zeit noch galten diese ehernen Grundsätze für Lehrer:

Das Lehren muss vorrangig in Gruppenunterricht geschehen, Schüler erarbeiten sich Wissen weitgehend auch selber und dürfen keinesfalls durch Frontalunterricht gequält werden, da der die Schüler, die eigentlich grundsätzlich motiviert sind, zur Passivität verurteilt, sie gängelt und ihnen sämtlichen Wissensdurst geradezu austreibt. Argumentiert wurde auch, dass es schließlich wissenschaftlich erwiesen sei, dass es sich hierbei um keine demokratische Unterrichtsform handle und sie deshalb auch kontraproduktiv sei. Weitere wissenschaftlichen Ausführungen könnte man hier noch stundenlang fortführen.

Ein Lehramtsanwärter mit einer Prüfungslehrprobe ohne oder mit wenigen schülerbestimmten Lehr- und Lernformen hatte schlechte Karten für eine einigermaßen zufriedenstellende Examensnote.

Hatten Kollegen oder man selbst Disziplinprobleme mit Schülern, so wurde eher an den pädagogischen Fähigkeiten gezweifelt. Der Kollege verstand es eben nicht so, die Schüler für seinen Stoff zu begeistern. Oder er war eben methodisch und didaktisch nicht ganz so auf der Höhe. Oder er entsprach nicht so dem Zeitgeist und gehörte eben zu den ewig Gestrigen. Die Ursache der Probleme lag weniger an den Schülern oder gar an deren Eltern.

Die politischen Mehrheiten vor allem in Baden Württemberg änderten sich und plötzlich gelten anscheinend wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse wenig oder werden gar in ihr Gegenteil verkehrt.

Kaum schneidet Baden Württemberg in Vergleichsstudien schlecht ab, so wird vom Generalsekretär der CDU Hagel die ‚Rückkehr zum Frontalunterricht‘ gefordert, ‚Abkehr vom selbstorganisierten Lernen‘, sowie die Rolle des Lehrers soll gestärkt werden. Er soll ermächtigt werden, mehr disziplinarische Maßnahmen ergreifen zu dürfen und zu können.

Ich möchte hier ganz sicher nicht für eine der geschilderten Szenarien Partei ergreifen. Ich wundere mich nur, wie schnell scheinbar unumstößliche (anscheinend wissenschaftlich fundierte) Postulate weggefegt werden können. Spricht nicht gerade für die wissenschaftliche Forschung.

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Lesefähigkeit bei Schülern

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Bei der Lesefähigkeit werden 2 Kompetenzen abgetestet:

– was habe ich vom Text verstanden?

– was habe ich vom Text behalten?

 

Schüler lesen im Schnitt immer weniger. Wenn gelesen wird, dann eher Zeitschriften, kurze Zeitungsartikel, Comics oder natürlich kurze Texte im Internet oder Chatnachrichten. Die Bereitschaft oder auch Fähigkeit, sich längere Zeit auf einen bestimmten Inhalt zu konzentrieren nimmt im Schnitt ab. Kontrovers diskutiert in Schulen wird, ob dies noch oder wenn wie Lesetraining eingefordert und praktiziert werden kann.

Habe mal einen kurzen Lesetest erstellt.

2 Minuten muss ein Text gelesen werden, danach gibt es richtig und falsch Fragen hierzu. Thema ist Kohlekraftwerke und CO2 Ausstoß.

Leseverständnis

Wissen Lehrer nicht genau, was sie unterrichten müssen?

Aus einem SPIEGEL Interview mit der KMK Vorsitzenden und BW Kultusministerin

‚SPIEGEL: Wis­sen die Leh­re­rin­nen und Leh­rer nicht, was sie un­ter­rich­ten sol­len?

Ei­sen­mann: Vie­le Lehr­kräf­te sa­gen mir, dass sie durch­aus dank­bar wä­ren, wenn man ih­nen ein­mal sag­te, was man ge­nau von ih­nen er­war­tet.‘

Weiter führte sie aus, dass zu stark auf kompetenzorientierten Unterricht abgehoben wurde und zu viele vage offene Unterrichtsformen vorherrschten und Lernstände wenig verglichen werden konnten, da es bspw. keine zentralen Klassenarbeiten gäbe.

‚Speak you fluent English?‘

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Manche nehmen an, dass sie Englisch sehr gut sprechen. Sie schließen dies daraus, dass sie einen geballten englischen Wortschwall schnell und explosionsartig von sich zu geben imstande sind.

Oft macht es aber nicht die Menge der Wörter, sondern auch die richtige Anwendung der Grammatik und Idiomatik aus, ob jemand einigermaßen gut eine Fremdsprache kann.

Im Englischen, so finde ich, sind es auch sehr oft die richtigen Präpositionen im Kontext, die zeigen können, ob sich hinter dem Wortschwall eher Blendwerk oder richtiges Können verbirgt.

Ich habe mal 10 einfache Präpositionen im Kontext zusammengestellt. Wenn man davon mindestens acht richtig anwendet, so ist man meiner Ansicht nach im Alltagsenglisch schon besser als der Durchschnitt.

Möchten Sie sich mal testen? Es ist leichter, als Sie denken.

Ach ja, bevor ichs vergesse, wie lautet eigentlich die Überschrift dieses Blogbeitrages richtig?

Genau: Do you speak English fluently.

Hier geht’s zum Test.

Prepositions

Bildung

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Überall hört man den Ruf nach Bildung. Angeblich gibt es bisher noch nicht genug davon bzw. wird noch nicht genug davon vermittelt. Herr Lindner, der FDP Vorsitzende, hat erst gestern wieder im Fernsehen davon gesprochen und möchte Bildung zum Thema No 1 beim Wahlkampf machen.

Und da wir ein rohstoffarmes Land sind, so wird argumentiert, könnten wir nur mit ‚Brain‘ punkten. Ansonsten würden wir erbarmungslos abgehängt.

Was muss dann zum jetzigen Zeitpunkt getan werden? 

Letztlich scheint die Antwort ganz simpel zu sein. Man muss in das Bildungswesen einfach wesentlich mehr Geld reinpumpen. So schallt es aus den unterschiedlichsten politischen Ecken.

Da ich selber im pädagogischen Bereich tätig bin, beschleicht mich hier ein leises Gefühl des Unbehagens.

Muss nicht zuerst stärker hinterfragt werden, was und wie Bildung vermittelt wird? Was ist überhaupt sinnvolle Bildung? Ist einfach ein Mehr an Unterricht und Betreuung gleich auch mehr an Bildung? Welche Bildungsbereiche müssten in welchen Altersstufen besonders vermittelt werden? Haben die Erziehungsberechtigten immer einen positiven Einfluss auf die Bildung ihrer ihnen anvertrauten Kinder?

Werden Fragen dieser Art nicht hinreichend thematisiert und geklärt, so scheint mir, verpufft viel Geld so einfach mal im Nirwana.