Top down or bottom up?

Zwei grundsätzliche Vorgehensweisen,  Dinge voranzutreiben:

Bei ‚top down‘  geben wenige den Ton an und bestimmen, was unten gemacht wird. Den ‚Untergebenen‘ wird mehr oder weniger Einblick gewährt. Sie mögen sich doch von den Eperten oben gut behandelt fühlen, sollen auf sie vertrauen und genießen den angeblichen Vorteil, dass Innovationen nicht mühselig viel Instanzen durchlaufen müssen, ehe sie zum Tragen kommen können. ‚Die da oben werden es schon richten‘!

Bei ‚bottom up‘ geht es schon etwas mühseliger zu. Alle Neuerungen müssen transparent gemacht werden, so dass sich die große Menge auch einverstanden zeigt. Nur dann sind sie wirklich durchsetzbar. Allerdings verlieren sie auch an Willkür und werden von einer großen Anzahl von Leuten getragen und sogar unterstützt.

Gleichzeitig verliert sich ein gewisses Ohnmachtsgefühl bei der Mehrheit. Sie wird mit eingebunden und kann wirklich auch mitmodifizieren.

Eine Hybris kann sich bei ‚denen da oben‘ nur wenig ausbreiten.

In letzter Zeit habe ich leider immer mehr das Gefühl, dass mehr ‚top down‘ als ‚bottom up‘ praktiziert wird.

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Bareinkäufe wesentlich günstiger als Einkauf mit Karte?

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass es mir schwerer fällt einen Geldschein aus der Tasche zu ziehen, als die Kreditkarte.

‚Jüngste Studien aus den USA belegen das: Demzufolge geben die Verbraucher deutlich mehr Geld aus, wenn sie auf ihren Einkaufstouren mit Kreditkarte bezahlen statt mit Bargeld – und zwar um sage und schreibe 40 Prozent mehr.‘

Quelle: Thomas Strobl: ‚Ohne Schulden läuft nichts‘

Weihnachten noch zeitgemäß?

In einer Diskussionsrunde einer 10ten Klasse sprachen wir über Weihnachten und ob Weihnachten heute noch gefeiert werden sollte. Die meisten sprachen sich dafür aus, da sie Glitzer, weihnachtliche Düfte oder das Zusammensein mit der Familie und Freunden lieben. Mit der Botschaft von der Geburt Christi hingegen kann die Mehrzahl nicht viel anfangen. Sie haben dazu wenig Bezug meinen sie. Nur für rund 10 % der Klasse ist sie noch von besonderer Bedeutung.

Oft wurden die Konsumsucht und der Kaufrausch vor Weihnachten angeprangert.

Eltern gegen Grundschulempfehlung in Baden-Württemberg

In BW wird eine Grundschulempfehlung ausgesprochen, die besagt, ob ein Kind in die Haupt-, Realschule oder auf das Gymnasium überwechseln kann.

Bei Umfragen sind eine große Mehrzahl der Eltern der Meinung, dass sie fähig sind, dies selbst zu entscheiden. Sie wehren sich gegen eine angebliche Bevormundung.

Im Vorwahlkampfgeplänkel hört man jetzt immer wieder, dass die Regierung eine Erleichterung des Zugangs anstrebt (bisher benötigt man 2,5 in Deutsch und Mathematik für den Zugang ans Gymnasium) oder ganz den Eltern überlässt, welche weiterführende Schule sie für ihre Kinder auswählen möchten.

Ich frage mich, ob sich dies mit unserem dreigliedrigen Schulsystem verträgt oder ob das nicht gleichzeitig dessen Ende einläutet (ohne damit ausdrücken zu wollen, dass ich mit aller Gewalt daran festhalten möchte!). Wäre dies etwa ein weitgehend kostenneutrales Wahlkampfgeschenk?

Inklusion – ein erneuter Versuch unser Schulsystem zu optimieren (oder zu retten?)

In einigen Schulbezirken in Baden-Württemberg läuft ein neuer Modellversuch an:  Inklusion.  Schüler/innen mit Problemen soll geholfen werden, so dass sie nicht in Gefahr geraten, in eine andere Schule überwechseln zu müssen.

Besteht die Chance, dass durch eine Unterstützung die Defizite abgebaut werden können, sollen Fachleute an die Seite der Schüler/innen gestellt werden, die ihnen über einen gewissen Zeitraum zur Seite stehen.

Größere Mittel  werden angeblich dafür nicht bereitgestellt. Ich bin gespannt, wie der Versuch in der Praxis verläuft!

Die Gesellschaft ist (schon wieder – wieder mal) an allem schuld!

So wie in der Schule die Lehrer, so ist für das alltägliche Leben, das nicht so läuft, wie man es gerne hätte, die Gesellschaft schuld.

Es bleibt einem nichts anderes als leise zu protestieren oder Bücher des Aufschreis zu produzieren und damit wenigstens finanziell von diesem schrecklichen Zustand zu profitieren. Wir selber müssen uns anscheinend nicht ändern oder Dinge anders angehen. Dies wäre ja auch mit Risiko verbunden und so auch mit ungewissem Ausgang.

Dazu gibt es interessante Anmerkungen im Spiegel 48 vom 29.11.2010:

‚Der Kapitalismus ist ein Monster, das Internet macht dumm, die Leistungsgesellschaft führt in die Depression – viele Sachbücher dieses Herbstes erklären unsere Gesellschaft für krank. Es sind die Wutbücher eines aufgebrachten Bürgertums. Von Georg Diez „

Ja, das Internet macht uns dumm. Ja,  die Leistungsgesellschaft macht uns krank. Ja, der Einzelne ist der Feind, und die Gemeinschaft ist gut. Ja, der Markt ist an allem schuld.

So zittert der Bürger, der doch sehr gut mit all dem lebt, das da um ihn herum und in ihm zerbricht. Er friert in dieser  kalten Welt, die eine Welt des Geldes und der Egoisten ist. Und flüchtet, wohin sich deutsche Bürger immer flüchten, nach innen, wo es ruhig und heil ist.

Problematisch wird es nur, wenn das individuelle Unbehagen zu einer allgemeinen Denkfigur wird. Wenn schlechte Laune die Fundamente der Demokratie untergräbt. Wenn die Angst des Einzelnen zur Maxime für alle wird.

Denn Angst steckt hinter diesen Versuchen, die Wirklichkeit zu reduzieren. Kontemplation, nicht Kommunikation. Innerlichkeit, Ledersessel, Ruhe. Das gute Leben, wie es sich der Bürger vorstellt, wenn er in seinen Kamin starrt. Es wäre doch so schön, wenn es eine einfache, umfassende Erklärung gäbe für die Wirrnisse dieser Welt.‘