Dürfen Wahlentscheidungen direkte Konsequenzen für Einzelne haben?

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Gestern las ich in einer namhaften deutschen Zeitung, wie sehr viele im Tourismusgewerbe Tätige in der Türkei darunter litten, dass viele Hotels und Ferienresorts nur noch zu etwa 10 % ausgelastet wären. Gerade in diesem Lande wären die Sozialsysteme nicht so gut ausgebaut wie etwa in Deutschland und so stelle sich die Lage schon beinahe existenzbedrohend dar.

Erdogan kann nun nicht vorgeworfen werden, er hätte seine Zielsetzungen vor der Wahl verschleiert oder nicht deutlich gemacht. Mögliche Konsequenzen konnten also leicht erkannt werden. Eine davon war wohl eine Ablehnung des entstehenden autokratischen  Systems durch demokratische Staaten. Trotzdem stimmte eine deutliche Mehrheit für ihn.

Gilt jetzt der Grundsatz:

‚Helft ihnen, denn sie wussten nicht, was sie tun?‘ – und macht jetzt erst recht Urlaub in der Türkei?

Zahlenspiele und Schlussfolgerungen – von oben betrachtet

Waren die Türken in Deutschland nun mehrheitlich für die Ideen Erdogans oder dagegen?

Meinungsmacher hier nehmen klare Positionen ein und untermauern ihre Schlussfolgerungen mit Zahlen.

In einem namhaften Blog meint Hamed Adel Samad, dass dieZustimmung für die Einführung der Diktatur bei den muslimischen nichtkurdischen Türken in D. bei über 90 % ‚ liegt. Er kommt zu dem Schluss, dass die ‚ Türken in Deutschland geschlossen hinter dem Islamismus, dem Chauvinismus und der Todesstrafe‘ stehen.

Das ARD verkündete, 2/3 der Türken in D. hätten für das Referendum gestimmt.

Gerhard Mersmann hingegen kommt in seinem Blog zu folgendem Ergebnis: ‚In Bezug auf die gesamte Gruppe von 3,5 Millionen Türkischstämmiger stimmten also 13 % für die Ermächtigung Erdogans.‘ Die Türken hier sind so gesehen fest in der westlichen Demokratie verankert.

Wieder mal zeigt sich, dass auch Zahlenmaterial  kritisch hinterfragt werden muss.






Geschichten von Herrn D.


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Herr D. könnte in Deutschland in einer kleineren Stadt oder auf dem Land wohnen.

Er hat ein gesichertes, nicht allzu üppiges Einkommen entweder als Rentner oder als langjähriger Angestellter eines krisensicheren Unternehmens.

Von einem einwöchigen Türkei Strandurlaub ist er eben zurückgekehrt und genoss dort noch die 30 Grad Wärme und die langen angenehmen Abende im Freien.

Das Hotel, so berichtet er, war nahezu ausgebucht, die Hotelleistungen wie gewohnt gut und das abendliche Buffet großzügig.

Die politische Lage war kein Thema, niemand hätte das Thema angesprochen, alle waren schließlich im Urlaub.

Das Personal sei froh, dass der Tourismus floriert und jede Menge deutscher Gäste seien dort anzutreffen – auch jetzt noch außerhalb der Saison.

Herr D. würde sich zwar als politisch interessierten aber weniger als politischen Menschen bezeichnen.

Sicher, so meint er, das was da in der Türkei so passiert sei sicher nicht demokratisch. Würden die deutschen Reisenden jetzt jedoch deshalb andere Länder als Reiseziele aussuchen, so würden sie vor allem die in der Tourismusbranche hart arbeitende türkische Bevölkerung treffen. Mit dieser Einstellung im Rücken konnte er die Zugabe zum diesjährigen Sommer nochmals richtig genießen.

Wir, die wir gerade noch zum Mittelstand in Deutschland gehören, können eigentlich nichts wirklich zur Verbesserung der Lage in Europa beitragen ist seine feste Überzeugung. Das sei dann schon Sache der höheren Politik.